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Die goldene Regel – praktisch angewendet

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In diesem Artikel geht es darum tiefer in die Kerninhalte der goldenen Regel einzusteigen. Das Ganze soll im Rahmen eines aus dem Leben gegriffenen Gesprächs geschehen. Indem Gespräch geht es um die unterschiedlichen Ansichten des Lebensunternehmers Martin und der pflichtbewussten Anja.

Martin lebt seine Vision, aus der sich seine jeweiligen Lebens- und Lernaufgaben ganz automatisch ergeben. Nur wenn er diese Aufgaben erfüllt, kommt er mit der Realisierung seiner Vision vorwärts.

Anja arbeitet brav und pflichtbewusst als Angestellte in einem größeren Unternehmen. Ihre Aufgaben erhält sie von ihrem Vorgesetzten und dieser bewertet auch ob die Aufgabe gut erfüllt wurde.

Steigen wir nun ein in dieses interessante Gespräch …

„In der Regel bin ich schon bestrebt, andere Menschen zu achten und zu respektieren.“

„Offensichtlich nicht immer, Martin“! In Anjas Stimme schwingt ein etwas vorwurfsvoller Unterton mit.

„Bei dir ist das wirklich nicht so gemeint. Ich achte und respektiere dich sehr und das trotz unserer teilweise sehr unterschiedlichen Sichtweisen“, versichert Martin.

„Gilt das auch für die anderen ?“ fragt Anja

„Ja sicher. Ich achte alle Menschen, die die goldene Regel einhalten, also: „Was du nicht willst, was man dir tu, das füg auch keinem anderen zu“.

„Was meinst du denn damit genau ?“, fragt Anja nach.

„Na ja, ich finde, jeder soll ernten, was er sät. Jeder soll so behandelt werden, wie er andere behandelt!

Wer z. B. Waffen herstellt und verkauft, die andere Menschen verstümmeln oder töten, der soll sich auch mit den Folgen seines Tuns auseinandersetzen müssen“, entgegnet Martin überzeugt.

„Diejenigen, die mit Waffenhandel ihr Geld verdienen, egal ob als Aktionär eines Rüstungsunternehmens, als Mitarbeiter eines solchen Unternehmens oder sonst etwas, sollen mit den Opfern ihrer Waffen über Monate unter einem Dach leben und diese verköstigen müssen.

Ich würde diese Leute mit Hilfe eines Dolmetschers für mindestens 1 Jahr mit den Leidensgeschichten der Betroffenen konfrontieren. Sie sollen ganz genau erfahren, wie die Waffen, die sie hergestellt und verkauft haben, andere Menschen verletzt und verstümmelt haben. Wie sie ihre Kinder und Familienangehörigen verloren haben und was das im Einzelnen bedeutet.“

„Das wäre nur gerecht und sehr lehrreich für die Täter“, nickt Anja nachdenklich.

„Aber ist es nicht so, daß die Leute, die Waffen herstellen und verkaufen, heute noch die Privilegierten unseres Systems sind? Sie verdienen Geld mit dem Elend ihrer Mitmenschen und es interessiert kaum jemanden, vor allem nicht die vielen Gleichgültigen. Was meinst du Martin ?

„Ja, da kann ich dir nur voll und ganz zustimmen, Anja.

Mir geht es ja dabei nicht vorrangig um Vergeltung, sondern um Gerechtigkeit. Diejenigen, die mit Waffen ihr schmutziges Geld verdienen, sollen auch die volle Verantwortung dafür tragen müssen.

Vor allem aber sollen sie zwingend daraus ihre Lehren ziehen müssen, so dass sie ihr schmutziges Geschäft nicht weiter betreiben.

Dazu sollen sie über viele Monate ganz genau sehen und fühlen müssen, was sie anrichten und ihre Einnahmen sollten vollständig in die Wiedergutmachung, der von ihnen angerichteten Schäden fließen.
Ich stell mir das immer wieder mit allen Details, in meinem Kopfkino vor, quasi als Gebet, das in Erfüllung gehen soll …Findest du das übertrieben, Anja ?“

„Nein, du wünscht Dir nur Gerechtigkeit und das mit aller Kraft. Bekräftigt Anja.

„Jetzt sind wir schon mindestens 2, die sich das wünschen“, lacht Martin.

Und ich sage dir: „Es muss sich wirklich eine Menge ändern, wenn sich die Welt zum Positiven hin weiterentwickeln soll“.
“Jedem muß eindeutig klar werden, was es bedeutet, Verantwortung für sein Denken, Entscheiden und Handeln zu tragen.

Wir wenden die goldene Regel übrigens auch bei der Erziehung unseres Sohnes an. Wir versuchen alles aus der Perspektive dieser Regel zu erklären. Also, beispielsweise wenn unser Franz eine Katze haut, dann sagen wir ihm, ob ihm das gefallen würde, wenn die Katze ihn einfach so kratzen würde oder wenn er uns ins Wort fällt, fallen wir ihm ins Wort und sagen, nachdem er sich darüber beschwert hat: "Siehst du, so geht es auch uns, wenn du uns nicht zu Ende reden lässt".

„Ja, so ungefähr machen wir das auch, leider funktioniert es häufig nicht, weil unsere Kleine das schnell wieder vergißt oder oft auch nicht wirklich versteht“, wirft Anja ein.

„Tja, Anja, das ist bei uns auch so, aber die Kindererziehung ist ja keine Sache von Monaten, sondern zeigt ihre Wirkung über das konsequente Anwenden dieser goldenen Regel über viele, viele Jahre.

Die goldene Regel besagt, daß wir genau das ernten, was wir säen und daß wir voll und ganz verantwortlich sind für das, was wir tun.

Wir können die goldene Regel also sehr gut nutzen, um unser Leben und das der anderen ganz gezielt zu beeinflussen, und das nicht nur bei der Erziehung unserer Kinder.

Diese Regel besagt nämlich, daß andere uns so behandeln, wie wir sie behandeln oder anders formuliert: Behandle andere so, wie du selbst von den anderen behandelt werden willst.“ Beide schweigen einen Moment und sehen sich dabei tief in die Augen.

„Wenn ich zum Beispiel möchte daß mir der andere möglichst viel Freiheit lässt, dann muss ich ihm das vorleben“, beginnt Martin das Gespräch wieder.

„Ich lasse dem anderen alle Möglichkeiten, daß er sich möglichst frei entfalten kann. Ich beurteile und bewerte ihn nicht aus meiner Perspektive, also mit meinen Erfahrungen und Erkenntnissen, sondern versuche, es aus seiner Sicht zu verstehen. Falls ich dazu nicht die Zeit und die Energie aufbringen kann, dann lasse ich die Bewertungen und Verurteilungen.

Dabei halte ich mich an folgende Regel: „Ich verurteile den anderen nicht für das, was er tut, sondern beobachte langfristig, ob das, was er denkt, entscheidet und tut, ihn glücklich macht.“

„Das klingt sehr vernünftig, Martin“, entgegnet Anja. „Wobei du das oft gar nicht so genau erkennen kannst, da ja viele so tun, als ob alles in bester Ordnung wäre, obwohl es innen drin ganz anders aussieht. Häufig gerade deswegen, damit andere eben nicht merken, was wirklich los ist. Man vermeidet so unangenehme Rechtfertigungen und man verhindert, daß die Gerüchteküche angeheizt wird.“

„Oh, jetzt hast du mich kalt erwischt und bringst mich in Verlegenheit“, antwortet Martin etwas überrumpelt. „Danke Anja, für dieses wertvolle Feedback. Darüber muß ich in einer ruhigen Minute noch einmal genau nachdenken. Aber halten wir fest: Eine besonders wichtige Erkenntnis der goldenen Regel ist, daß wir ernten, was wir säen.“

„Wir ernten, was wir säen, sagst du. Ich säe Gutes und ernte dann auch Gutes oder wie soll ich das verstehen ?“

„Ja, so in etwa“, bestätigt Martin.

„Da kann ich dir ein exzellentes Gegenbeispiel liefern“, entgegnet Anja. So möchte ich beispielsweise, daß sich meine Mutter das Rauchen abgewöhnt, weil sie häufig darüber klagt, daß ihr schon bei kurzen Strecken die Puste ausgeht. Auch jammert sie über die allmorgentlichen Hustattacken und den Gestank, den die mit kaltem Rauch durchsetzten Tapeten abgeben.

Ich habe mich also über Wochen schlau gemacht, wie man das Rauchen aufhören kann und meiner Mutter verschiedene Lösungen beschrieben, aber anstatt daß sie dankbar dafür ist, winkt sie ab und will nichts davon hören. Mach ich dann weiter, dann kommt es häufig zu heftigen Auseinandersetzungen. Ich ernte also Streit und Undank, obwohl ich nur um die Gesundheit meiner Mutter ernsthaft besorgt bin und ihr helfen will.“

„Oh ja, da kann ich ein Lied davon singen, Anja“, bestätigt Martin seufzend. „Es scheint wirklich so zu sein, dass die Leute gerne jammern und sich als Opfer sehen möchten. Ja, sie scheinen sich regelrecht mit Energie aufzuladen, während sie ihren Ballast bei den anderen abladen.

Das, was wir aus unserer Sicht gut finden, muß bei anderen nicht unbedingt gut ankommen. Natürlich ist es gut, wenn du deine Mutter dazu anregst, dass sie das Rauchen aufhört. Für deine Mutter bedeutet das aber, dass sie eine sehr schwere Aufgabe zu lösen hat, je nach der Tiefe der psychischen Abhängigkeit.

Was du also vorschlägst, wird ihr zumindest eine Zeit lang das Leben erheblich schwerer machen und ob es hinterher wirklich besser ist, kann deine Mutter nur beurteilen, wenn sie es dann auch geschafft hat.

Mir geht es da ähnlich wie dir, Anja. Ich meine es wirklich gut, wenn ich andere dazu anrege, sich mehr für ihre Freiheit einzusetzen und für ihre Entscheidungen und Handlungen die volle Verantwortung zu übernehmen.“

„Wie meinst du das genau“, will Anja nun neugierig wissen.

„Jeder hat ganz bestimmte Lebens- und Lernaufgaben und nur wenn er sich diesen Aufgaben stellt, kann er sich bestmöglich weiterentwickeln und sein Meisterwerk hier auf Erden vollenden“, erklärt Martin.

„Klingt sehr philosophisch, verstehe ich nicht. Was soll jemand tun, der sich für seine Freiheit tatkräftig einsetzt ?“

Martin überlegt kurz. „Ich setze mich für meine Freiheit ein, wenn ich meinem Herzen folge, also meine Träume und Visionen lebe.“

„Was sind denn Träume ? Jetzt sag bloß nicht, eine Traumvilla, ein Neuseeland-Trip oder ein Ferrari Testarossa“, meint Anja etwas skeptisch.

„Nein, natürlich nicht“, versichert Martin und stellt klar:“Das sind Wünsche. Ein Traum oder ein Vision ist ein Teil von dir und ermöglicht es dir, über dich hinauszuwachsen. Der Traum füllt dein Leben mit Sinn und hält dein Selbstwertgefühl immer auf sehr hohem Niveau und vor allem: er macht dich einzigartig. Wer einzigartig ist, hat keine Konkurrenten, gegen die er sich im Wettbewerb durchsetzen muss. Wer seinen Traum bzw. seine Vision lebt, der verfolgt seine eigenen Ziele.“

„Ok, aber muss ich das denn ?“ Anja klingt nicht überzeugt. „Wenn ich als Angestellter in einer Firma arbeite, dann verfolge ich die Ziele des jeweiligen Unternehmers bzw. Vorgesetzten. Mein Ziel dagegen ist es Geld zu verdienen, mit dem ich meine Rechnungen bezahlen kann. Indem ich durch meine Arbeit Geld verdiene, bin ich unabhängig von Investoren und Sponsoren, die ja erst mal in meinen Traum investieren müssen.

„Wirklich ?,“ hakt Martin ein. Bist du nicht auch von der Gunst deines Arbeitgebers abhängig ?

Ja, schon aber die Arbeitsbeziehung läuft wesentlich anonymer ab, als die mit den Investoren. Die musst du ja von einer Vision, Lösung oder nenn es wie du willst, überzeugen. Die sehen deine Vision aber nicht mit deinem Herzen, sondern die wollen ja sich ihre Investition finanziell lohnt.

Ja, da hast du wohl recht, Anja. Das ist schon ein schwieriges Thema. Aber lassen wir das.

Was ich am Angestelltenleben auch noch sehr vorteilhaft finde, ist, dass ich mir auch schnell einen anderen Arbeitsplatz suchen kann. Das kannst du nicht. Du kannst nicht einfach deinen fest mit dir verbundenen Traum bzw. die mit dir in die Welt gekommene Vision austauschen. Anja lacht.

Und wieder hast du den Nagel auf den Kopf getroffen, Anja.

Siehst du, Martin und genau deshalb bin ich froh, dass ich als Angestellter arbeiten kann. Außerdem habe ich keinen Traum. Ich will einfach meine Pflicht erfüllen, damit meinen Lebensunterhalt verdienen und für meine privaten Hobbies, nutze ich die wenige freie Zeit die mir bleibt.

Ich bekomme als Angestellter ein festes Gehalt, das pünktlich zum Ende des Monats auf dem Konto landet. Ich kann also genau planen und vor allem immer meine Rechnungen pünktlich bezahlen. Auch habe ich klare Anweisungen, was ich wann zu erledigen habe. Und wenn ich ehrlich bin, ist es schon ein gutes Gefühl, wenn man nicht zuviel Verantwortung tragen muss.

Ich kann also meine Rechnungen bezahlen, während derjenige, der seine Vision lebt, zwar maximale Freiheit hat, aber nicht selten erst einmal finanzielle Durststrecken überwinden muß. Auch hat er entsprechende Verantwortung zu tragen und muß sich vor allem um sehr viele Dinge selbst kümmern.

Da wundert es mich nicht, wenn viele Menschen eben nicht diese Art von Freiheit haben möchten und im Beruf die Fremdbestimmung bevorzugen.

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… und wenn man ganz ehrlich ist, gibt man die Bequemlichkeit auch zu.

Warum soll ich mir Verantwortung, finanzielle Durststrecken und all das aufladen, wenn ich nicht muß ? Das Leben ist kurz, deshalb möchte ich es nicht auf dem Trampelpfad verbringen, sondern lieber auf der Autobahn.

Wenn ich meine Pflicht erfülle, kann ich meine Freizeit genießen, mir einiges finanziell erlauben und eine Portion Freiheit hab ich ja auch, zumindest in unserer Gesellschaft. Wenn ich das mit dem Leben vor 50, 60 Jahren vergleiche – ein Paradies (wenn ich es mir nicht schlecht rede oder schlecht reden lasse!!) und perfekt wird das Leben nie sein.
Meinen Traum, wenn ich so was habe und brauche, kann ich auch in der Freizeit leben“, ist sich Anja sicher.

„Kannst du nicht, Anja, weil du dazu einen freien Kopf brauchst“, widerspricht Martin entschieden. „So ein Traum nimmt sehr viel von deiner Zeit und Energie in Anspruch. Du kannst nicht auf 2 Hochzeiten tanzen. Du musst dich schon entscheiden und dir klare Ziele setzen.“

„Dann lass ich das mit dem Traum und lass lieber andere ihre Träume leben. Wenn Leute was großes umsetzen wollen und dafür diese anfänglichen Unannehmlichkeiten in Kauf nehmen und dann tatsächlich erfolgreich sind, kann man sie nur bewundern und ihnen das, was sie dann haben, auch ehrlich gönnen, aber das kann man doch nicht von jedem Menschen verlangen“, entgegnet Anja.

„Martin, mit deinem Engagement für die Freiheit holst du die Leute aus der Komfortzone und nicht nur das, du machst ihnen Angst. Mir jedenfalls sehr. Ich käme mir verloren vor, wenn ich diese von dir so gelobte Freiheit leben müsste.“

„Andererseits, ist ein Umdenken bei uns in der Gesellschaft zwingend notwendig, Anja.“

Martins Stimme klingt jetzt sehr eindringlich. „Wir haben derzeit sehr viele Menschen, die als Angestellte arbeiten möchten, aber viel zu wenig Arbeitsplätze, zumindest solche, die auf natürlichem Wege genügend Einkommen erzielen. Da es aber offensichtlich sehr viele Menschen gibt, die es mit der Freiheit so ähnlich sehen wie du, Anja, werden viele dieser gefragten Angestellten-Arbeitsplätze auf Biegen und Brechen erhalten.

Es gäbe diese sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze nicht mehr, wenn nicht enorme Steuermittel und Kredite fließen würden. Ich denke da an viele staatlichen Institutionen, die sich weitestgehend mit sich selbst beschäftigen, aber auch viele Großunternehmen sind davon betroffen. Großunternehmen an denen wieder die Arbeitsplätze vieler kleiner und mittelständischer Betriebe dranhängen.

Die Politiker sammeln Wählerstimmen, indem sie versprechen, dass sie  sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze schaffen bzw. erhalten!

Diese künstlich geschaffenen Arbeitsplätze sind auch ein wesentlicher Grund für die hohen Staatsschulden, die wir haben. Ganz Europa hat sich so einen Wirtschaftsaufschwung auf Pump finanziert. Sogar Kriege werden für die sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze geführt. So wird zum einen mit der Waffenherstellung und zum anderen mit dem Wiederaufbau nach der Zerstörung die Grundlage für viele Arbeitsplätze, etwa in der Rüstungsindustrie geschaffen. Schau mal nach Syrien, den Irak oder ganz nah bei uns, in die Ukraine!“

„Glaubst du wirklich, dass es nur daran liegt, Martin“

„Und ob“, entgegnet dieser. „Ich bin davon überzeugt, dass das von dir beschriebene Denken und Handeln ein wesentlicher Grund für unsere großen gesellschaftlichen Probleme ist.

Das gilt nicht nur für Deutschland, sondern durch die komplizierten wirtschaftlichen Verflechtungen, sind alle Völker auf dieser Welt, von den genannten Problemen betroffen.

Wenn die überwiegende Mehrheit bestimmte Werte und Gewohnheiten lebt, hat das auch einen sehr großen Einfluß auf die anderen. Diese Mehrheit bestimmt letztendlich das Schicksal der ganzen Gesellschaft und damit auch das Schicksal des Einzelnen, der Teil dieser Gesellschaft ist. Diese Werte und Gewohnheiten können wir der Einfachheit halber in dein und mein Lebenskonzept unterteilen. Meins ist das des Lebensunternehmers und deins das des Pflichtmenschen bzw. Befehlsempfängers.

„Was ist denn der wesentlichste Unterschied zwischen diesen beiden Lebenskonzepten ?“, fragt Anja.

„Pflichtmenschen werden von außen, durch entsprechende Geld- und Gruppenzwänge, dazu angeregt, etwas zu tun“, erklärt Martin. „Sie tun etwas, wenn sie dafür Geld verdienen können und/oder wenn es soziale Anerkennung gibt und/oder wenn sie schlicht und ergreifend vom Schicksal dazu gezwungen werden, zu handeln. Pflichtmenschen arbeiten für die Träume und Ziele anderer. Diese Menschen folgen einfach ihrem anerzogenen Pflichtgefühl.

Lebensunternehmer dagegen werden von innen angeregt, etwas zu tun. Sie tun die Dinge aus sich selbst heraus und folgen ihrer Intuition. Sie folgen ihren Visionen und Träumen, die vom Herzen kommen.“

Anja schaut etwas zweifelnd und meint: „Ja, in dem Pflichtmenschen kann ich mich erkennen. Mein Pflichtgefühl ist schon sehr ausgeprägt. Mir geistern da viele dieser Aufgaben durch den Kopf, die erledigt werden müssen, und ein beruhigendes Gefühl bzw. eine gewisse Zufriedenheit stellt sich bei mir erst dann ein, wenn ich diese Aufgaben erledigt habe. Ich könnte meine Freizeit nicht genießen, wenn ich meine Pflichten nicht erfüllt habe. Es ist wirklich so, dass die Pflichtaufgaben meinen Alltag und meine Grundstimmung sehr wesentlich bestimmen.

Viele dieser Pflicht- und Routinearbeiten werden ja mittlerweile von Maschinen erledigt. Ich denke da gerade an die Waschmaschine, in die ihr Frauen heute nur noch die Wäsche reintun müsst und die dann das eingestellte Waschprogramm abarbeitet.
Früher mussten die Frauen viele Stunden am Waschbrett verbringen. Die Maschinen tragen also wesentlich dazu bei, dass der Anteil der Pflicht- und Routinearbeiten immer geringer wird.

Ja, da hast du wohl recht, Martin. Die Maschinen nehmen uns die Arbeit weg.

Wirklich ? Ich sehe das anders. Die Maschinen befreien uns von Arbeit, wenn wir bereit sind umzudenken, also unsere Werte und Gewohnheiten kritisch zu hinterfragen.

Die Maschinen sind unsere modernen Sklaven, die viele notwendige, aber lästige Pflicht- und Routinearbeiten für uns erledigen und uns so die Freiheit geben, unsere Lebenszeit sinnvoller zu nutzen, etwa um unsere Visionen und Träume zu leben.

„Ok, so kann man es auch sehen, wenn man es will“, sagt Anja. Ich will es nicht, weil es mir sehr unangenehm erscheint. Ich könnte da auf Dinge kommen, die ich besser nicht wissen will.

Mal ein andere Frage: Was meinst du eigentlich mit: „Die Dinge aus sich selber heraus tun ?“

„Na, ganz einfach, mir braucht keiner zu sagen, was ich tun soll. Ich lebe meine Vision und die bestimmt mein Leben bzw. meine tagtäglichen Lebens- und Lernaufgaben, die ich zu erfüllen habe, wenn ich mit der Realisierung meiner Vision vorwärtskommen will. Ich weiß also immer aus mir selbst heraus, was ich zu tun habe, beim „Wie“ hilft mir häufig das Internet bzw. die Menschen, die dort ihre Inhalte gezielt auffindbar veröffentlichen.

Ein sehr bekanntes Beispiel für einen Menschen, der ebenfalls aus sich selbst heraus gehandelt hat, war Henry Dunant (* 8. Mai 1828 in Genf; † 30. Oktober 1910 in Heiden). Der sah, wie viele Millionen seiner Mitmenschen auch, das große Leid auf den vielen Schlachtfeldern, hat sich aber im Gegensatz zu seinen wegschauenden Mitmenschen, ganz aus sich selbst heraus eine Lösung überlegt, um dieses Leid zu lindern. Durch seinen Mut und seine Tatkraft, die er über viele Jahrzehnte entschlossen und beharrlich in seine Lösung investierte, entstand im Laufe vieler Jahrzehnte das, was wir heute als "Rotes Kreuz" kennen.“

„Aber das, was Henry Dunant und du da machst, das ist edel und edle Menschen gibt es nicht viele. Die meisten sind an ihrem unmittelbaren und kurzfristigen Nutzen interessiert. Alles was langfristig ist und viel Zeit und Energie braucht, bis es dann (vielleicht) mal einen Nutzen bringt, interessiert die meisten nicht die Bohne“, bedauert Anja.

„Diese Leute würden deine Vision bzw. deinen Lösungsvorschlag im besten Fall als Spinnerei abtun, wahrscheinlich aber würden sie dich einfach ignorieren. Natürlich schaffst du dir so auch Feinde. Ich denke da an die vielen Neider, die nur kritisieren können, aber keine Lösungen finden oder diejenigen, die deine Lösung nicht verstehen oder missverstehen.“

„Da hast du wohl recht, Anja. Die Möglichkeiten meiner Lösung werden noch nicht richtig erkannt und eingeschätzt.

Auch ist mir klar, daß das, was ich denke und tue, sowohl Gutes als auch Unangenehmes bei meinen Mitmenschen bewirkt, das dann auch wieder auf mich zurückfällt, also mich entweder behindert oder unterstützt.

Ich setze mich aktiv für die Freiheit jedes Kreativen (Einzelerfinder, Visionäre, freie Denker, …) ein. Ich helfe diesen Menschen, voranzukommen und hoffe, daß die das mit der Zeit erkennen und anerkennen und mich dann in vielfältiger Weise unterstützen.

Gleichzeitig aber ziehe ich den Unmut vieler Bedenkenträger und Neider auf mich. Leute also, die keine Änderungen und Vorbilder wünschen. Die versuchen mich auf vielfältige Weise zu demotivieren.

Die einen ignorieren meine Anfragen, die anderen nutzen die elektronischen Möglichkeiten um mir die Geschäfte zu vermasseln oder schreiben mir demotivierende Mails.

Aber diese Leute gehen von sich aus und denken dass sie mich damit demotivieren können. Das geht aber nicht, weil das Feuer von innen brennt und deshalb von aussen nicht gelöscht werden kann. Nur Krankheit oder ein finanzieller Engpass kann mich stoppen.

Wie ist es eigentlich mit dir ? Würdest du mich denn unterstützen oder eher behindern ? „ will Martin konkret wissen.

„Behindern, Martin weder noch. Ich will ein normales und ruhiges Leben führen. Ich will keine Träume leben, sondern meine sichere Geldverdienstquelle behalten, solange es irgendwie geht. Nur das, mehr nicht. Ok, ich würde dir natürlich helfen, weil ich dich als Mensch gut finde, aber nur deshalb, nicht weil ich deine Idee unterstützen will.

„Schade, dass du es so siehst, Anja“, bedauert Martin.

„Ich setze mich übrigens auch aktiv dafür ein, daß jeder für seine Entscheidungen und Handlungen, die volle Verantwortung trägt.

Würdest du mich denn dabei unterstützen ?

„Nicht wirklich, weil ich eben nicht gerne Entscheidungen treffe und auch nur soviel Verantwortung übernehmen möchte, wie zwingend sein muss“, gibt Anja offen zu.

Da es offensichtlich vielen Menschen so geht wie dir, liebe Anja, finde ich trotz des guten und vernünftigen Gedankens, keine echten Unterstützer.

Viel mehr werde ich von vielen Menschen abgelehnt, die heute noch ihre Verantwortung sehr gerne auf andere abwälzen und das so gut wie möglich kaschieren.

Das ist eben der Preis, den wir dafür bezahlen, wenn wir uns dafür entscheiden, das Gute nicht nur zu fordern, sondern auch zu tun! Andererseits zahlen gerade in unseren Zeiten, auch sehr viele Leute einen hohen Preis dafür, daß sie sich nicht für ihre Freiheit einsetzen und keine Verantwortung für ihr Leben und die Gesellschaft übernehmen und stattdessen nur passiv zuschauen, wie um sie herum viele Ungerechtigkeiten passieren.

Dieses passive Zuschauen, sei es aus Angst oder aus Bequemlichkeit, ist wie ein zentraler Angriff auf das Selbstwertgefühl. Dazu kommt bei vielen noch, dass sie nicht das tun, wofür sie eigentlich auf die Welt gekommen sind.

Ganz banal gesagt, wollen viele ein Schaf sein, weil man damit Geld verdienen und seine Rechnungen bezahlen kann, obwohl sie zum Adler geboren sind. Wer seine Begabungen, Leidenschaften, Werte und seine ganz besonderen Einsichten nicht ausleben kann, der kann auch kein gesundes Selbstwertgefühl aufbauen. Wer sich selber wertlos fühlt, der kann keine Lebensfreude mehr empfinden.

Daß damit viele Menschen nicht mehr klar kommen, zeigt die Tatsache, daß heute viel mehr Menschen durch Selbstmord sterben, als durch Kriegsverletzungen und das, obwohl zur Zeit sehr viele Kriege weltweit stattfinden. Kürzlich las ich in einem Artikel der Welt-online, daß sich weltweit alle 40 Sekunden ein Mensch das Leben nimmt. Wie verzweifelt muss derjenige sein?“

Anja nickt betroffen und beide schweigen eine Weile.

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